UEK (Hg.): Liturgie des Willkommens - page 8

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„Schön, dass Sie (wieder) da sind!“ – unter
diesem Titel informiert ein EKD-Text von
2009 über Eintritt und Wiedereintritt in
die evangelische Kirche
1
. Dieser Text spie-
gelt eine neue „Kultur des Willkommens“,
mit der die evangelische Kirche Beweg-
gründe und Lebenskontexte von Menschen
wahrnimmt und würdigt, die nach der Ab-
wendung und einer Phase der Distanz wie-
der in die Kirche zurückkehren. Wer wie-
der eintritt, unternimmt diesen Schritt be-
wusst und in eigener Verantwortung. Dem
entspricht auf der Seite der Kirche eine res-
pektvolle Wiederaufnahme.
Die vorliegende Handreichung ist für den
Ge
brauch in Kirchengemeinden und Wie-
dereintrittsstellen gedacht und für die Fäl-
le bestimmt, dass Menschen ihren Wieder-
eintritt im Rahmen eines Ritus begehen
wollen. Vorausgesetzt ist hierbei die frü­
here Taufe in einer evangelischen Kirche.
Für den Übertritt aus einer anderen Kirche
eignet sich die Handreichung nur mit ent-
sprechenden Anpassungen.
Der Wiedereintritt ist praktisch-theologisch
gesehen eine „kleine“ Kasualie. In den klas-
sischen Kasualien werden die „großen“ bio-
grafischen Übergänge wie Geburt, Jugend­
alter, Heirat und Tod begangen mit Taufe,
Konfirmation, Trauung und Bestattung.
Auch der Wiedereintritt ist ein biografisch
1 Schön, dass Sie (wieder) da sind! Eintritt
und Wiedereintritt in die evangelische Kir-
che, EKD-Texte 107, 2009.
wichtiges Ereignis, aber meist weniger be-
deutsam als die klassischen Übergänge.
Wird er gottesdienstlich begangen, so ist
eine kleine liturgische Form angemessen.
Früher wurde auch der Wiedereintritt in ei-
nem größeren Übergangsritual vollzogen.
Die Rückkehr zur Kirche verband sich mit
vorbereitender Prüfung, öffentlichem Be-
kenntnis und einer gemeinsamen Feier des
Abendmahls. Heute hingegen ist der Wie-
dereintritt auch in dem Sinne „klein“, als
sich das Verhältnis der Menschen zur Kir-
che entspannt hat: Nicht zur Institution
Kirche zu gehören, bedeutet nach heutiger
Überzeugung nicht, vom Heil ausgeschlos-
sen zu sein. Deshalb gilt der „Wiederein-
tritt“ nicht mehr als „Wiederaufnahme“ in
die Kirche als Heilsgemeinschaft, sondern,
wie der Begriff signalisiert, als selbstbe-
stimmte individuelle Entscheidung, der
Kirche wieder beizutreten. An die Stelle des
Motivs der Umkehr tritt die erneute Hin-
wendung zur Kirche als einem „Ort der Ein-
kehr, also der Möglichkeit, in meinem Inne-
ren nicht nur meine Mitte, sondern Gott zu
finden“.
2
Demnach sind Wiedereintretende nicht län-
ger Objekte kirchlicher Forderungen, son-
dern treten als religiöse Subjekte hervor.
Ihre Rückkehr stellt zudem eine Anfrage an
die Kirche, ihre Werte und ihre Praxis: Wie
muss die Kirche sein, damit Menschen heute
2 Einfach eintreten?!, epd-Dokumentation 5 /
2007, 20.
E inführung :
Der Wi edere intr i tt als l i turg i sche
Aufgabe
1,2,3,4,5,6,7 9,10,11,12,13,14,15,16,17,18,...42
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